Zu den Heiligen Engeln Lemförde

Zu den Heiligen Engeln Lemförde

Katholischen Glauben an den Dümmer zurückgebracht

Am 22. Dezember 1985 wurde die Kirche „Zu den heiligen Engeln“ in Lemförde feierlich eingeweiht. Mit dieser Einweihung wurde die Gemeinde gleichzeitig eine eigenständige Pfarrei. Ein Grund zum Feiern. Deshalb wurde das 30. Kirchweihjubiläum im Rahmen eines festlichen Hochamtes begangen.

Zelebrant und Festprediger war Generalvikar Theo Paul aus Osnabrück, der auch einige Jahre Pfarrer in Lemförde war. Mitgestaltet wurde das Festhochamt von Pfarrer Marc Weber, Pfarradministrator Pastor Reinhard Trimpe sowie Diakon Reinhard Scharfenberg. Für den festlichen musikalischen Rahmen sorgte der Kirchenchor unter der Leitung von Klaus Schöneich mit seinem exzellenten Stimmpotenzial.

Neun Jahre sei es jetzt her, dass er von Lemförde nach Osnabrück gegangen sei, so Theo Paul zu Beginn seiner Predigt, durch die sich das Thema „Flüchtlinge und Vertriebene“ wie ein roter Faden zog. Denn: 1945/46 gab es etliche Heimatvertriebene und Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten. Auch Pfarrer Breuer kam am 16. Juni 1946 mit dem größten Teil seiner schlesischen Gemeinde Bockau in Brockum an. „Bisher gab es in Brockum und Lemförde keine katholische Gemeinde“, erklärte der Generalvikar. Flüchtlinge, einige davon zählte Paul namentlich auf, hätten so den katholischen Glauben an den Dümmer zurückgebracht. Auf dem Schafstall´schen Anwesen in einer Wohnstube, die auch Arbeits- und Beichtzimmer war, fanden die ersten Gottesdienste in Brockum statt, wo damals rund 300 Gemeindeglieder dazugehörten.

Treue in harten Zeiten

Die Treue von Frauen und Männern in harten Zeiten zu ihrem christlichen Glauben sei der Grundstein für die neue Kirche vor 30 Jahren gewesen. Paul: „Immer wieder mussten sich diese Gemeinde, diese Frauen und Männer Herausforderungen stellen. Jahrelang bildeten Urlauber und Lemförder die Gottesdienstgemeinde in Lemförde.“


Zelebrant und Festprediger während des Festhochamts zum 30. Kirchweihjubiläum in Lemförde war Generalvikar Theo Paul aus Osnabrück. Foto: Christa Bechtel
Inzwischen werde die Kirche „ Zu den heiligen Engeln “ seit 30 Jahren bestaunt. „Auch Nicht-Kirchgänger sind von der künstlerischen Gestaltung der Kirche beeindruckt. Die Symbolik spricht einfach viele Menschen an. Sie ist zu einem Anziehungspunkt am Dümmer geworden“, hob Theo Paul hervor. Trotzdem habe es für die Gemeinde vor 30 Jahren neue, unerwartete Fragen gegeben, wie: Wenn die Urlauber am Dümmer weniger werden? Die treuen Gemeindeglieder älter werden und sterben? Wie sieht das auf Dauer für unsere Gemeinde in dieser wunderschönen Kirche aus?

Eine Umbruchsituation

„So wie Johannes in der Wüste den Ruf Gottes hörte, so haben sich die Frauen und Männer in der Gemeinde die Frage gestellt: Was will Gott uns in unserer Zeit in diesen Rahmenbedingungen, in dieser Umbruchsituation sagen? Mitten in Lemförde haben wir eine Oase. Was können wir den Menschen in dieser Gegend aus unserem Glauben heraus anbieten?“, warf der Seelsorger an Fragen auf, die damals aufkamen und diskutiert wurden. Doch dann habe sich ein Vorschlag entwickelt: Mitten in Lemförde eine Herberge für Sterbende und Trauernde zu schaffen. „Dieser Gedanke war damals eine Provokation, war nicht plausibel, war nicht einfach mehrheitsfähig“, berichtete Theo Paul von den Anfängen des Lemförder Hospiz`, das seinerzeit einzigartig in ganz Niedersachsen war.

Der Spur gefolgt

Trotzdem sei man dieser Spur gefolgt. „Damit Menschen mitten in Lemförde ein Dach, eine Herberge für Leib und Leben - im Leben und Sterben haben, trotz der vielen Bedenken und Einwände“, betonte der Generalvikar, der weiter unterstrich: „Diese kleine Gemeinde ist heute mit der Hospizarbeit, der schönen Kirche, dem wunderbaren neuen Gemeindehaus mitten in Lemförde ein Ort des Durch- und Aufatmens.“ „Die Geschichte unserer Pfarrei ist auch eine Aufgabe für die heutige Zeit“, meinte Pfarrer Marc Weber abschließend.

Quelle: Wittlager Kreisblatt vom 11. 12. 2015, Text und Foto: Christa Bechtel

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